Es gibt zwei Arten von Projektakquise: die, bei der du dich bewirbst, und die, bei der du gefunden wirst. Die zweite ist die angenehmere, denn wer dich anfragt, hat sich schon halb entschieden.
Gefunden wirst du über Profile: Freelance.de, XING, LinkedIn, dazu GULP und freelancermap (zu denen wir schon einen eigenen Beitrag haben). Die Prinzipien sind überall ähnlich, die Gewichtung unterscheidet sich pro Plattform.
Das Prinzip: Du schreibst für eine Suchmaschine mit Menschen dahinter
Auf allen Plattformen läuft derselbe Prozess: Jemand mit einem Projekt sucht nach Begriffen, filtert nach Verfügbarkeit und Region, überfliegt die Treffer und klickt zwei, drei Profile an. Dein Profil muss also zwei Prüfungen bestehen: gefunden werden (die richtigen Begriffe enthalten) und in Sekunden überzeugen (das Relevante sofort zeigen).
Daraus folgen die Regeln, die überall gelten: Technologien und Rollen ausschreiben statt umschreiben, der Profiltitel als Ein-Zeilen-Positionierung ("Senior Backend-Entwickler Java/Kotlin, verfügbar ab Oktober"), Verfügbarkeit aktuell halten, die letzten Projekte konkret mit Ergebnissen.
Freelance.de: die Projektbörse
Freelance.de funktioniert wie GULP als Datenbank: Recruiter und Einkäufer suchen strukturiert. Entscheidend sind die Pflichtfelder, die viele nachlässig füllen: Skills mit Jahren und Einstufung, Stundensatzspanne, Verfügbarkeitsdatum, Einsatzradius. Jedes leere Feld ist ein Filter, durch den du fällst. Persönlichkeit spielt hier kaum eine Rolle, Vollständigkeit und Aktualität sind alles.
XING: totgesagt, aber in DACH-Nischen lebendig
XING hat an Bedeutung verloren, aber im deutschen Mittelstand und bei einigen Personalvermittlern wird weiter aktiv gesucht, gerade für Vor-Ort-Projekte in Regionen abseits der Tech-Hubs. Der Aufwand ist überschaubar: Profil vollständig, Portfolio-Bereich mit Projekthistorie, Status auf projektsuchend, wenn es soweit ist. Kein Kanal für Content, aber ein solider passiver Kanal, den du in 30 Minuten im Quartal pflegst.
LinkedIn: das Profil plus Sichtbarkeit
LinkedIn ist der einzige der drei Kanäle, auf dem du über das Profil hinaus wachsen kannst. Zwei Ebenen:
Das Profil selbst: Headline nicht als Jobtitel, sondern als Angebot formulieren ("Ich helfe Versicherungen, Legacy-Systeme in die Cloud zu bringen | Freelance Architekt"). Der Info-Bereich beantwortet in drei Sätzen, was du machst, für wen und mit welchem Ergebnis. Berufserfahrung als Projektliste, nicht als Anstellungshistorie.
Sichtbarkeit: Ein bis zwei fachliche Beiträge pro Woche zu deinem Spezialgebiet sorgen dafür, dass du im Kopf bist, wenn jemand in deinem Netzwerk ein Projekt hat. Das ist ein Investment mit Monaten Anlauf, aber es ist der Kanal mit den besten Anfragen: direkt, ohne Vermittlerkette, mit Vertrauensvorschuss. Wenn du gerade frei wirst, ist ein "Ich bin wieder verfügbar"-Post der einfachste Anlass; unseren Verfügbarkeits-Post-Generator füllst du in einer Minute aus.
Was das Profil nicht kann
Ein starkes Profil bringt Anfragen, aber es ersetzt die Bewerbung nicht. Auf jede Anfrage folgt derselbe Schritt: "Schicken Sie mir doch mal Ihr aktuelles Profil für Projekt X." Und dann entscheidet wieder, ob dein Lebenslauf zur konkreten Anforderung passt, nicht dein LinkedIn-Auftritt.
Für diesen Moment gibt es PitchFuchs: Projektbeschreibung weiterleiten, zugeschnittenen Lebenslauf und Anschreiben in Minuten zurückbekommen, prüfen, antworten, solange die Anfrage noch warm ist. So wird aus dem passiven Kanal ein schneller Abschluss.